Die Jahre 1901 bis 1945
Die Schaffung einer Feuerwehr wurde Ende des 19. Jahrhunderts immer dringlicher: Bei Bränden fühlte sich niemand verantwortlich, Wehren aus Nachbarorten kamen zu spät, und Wasser musste von Brunnen oder Teichen herangekarrt werden. Klosterlausnitz tat sich besonders schwer – von der ersten Aufforderung des Landratsamtes Roda (1898) bis zur Gründung 1901 vergingen drei Jahre. Der Gemeinderat lehnte damals sogar jede staatliche Beihilfe ab – ein wohl einmaliger Vorgang – mit Rücksicht auf den laufenden Bau der Wasserleitung.
Am 01.12.1898 forderte das Herzogliche Landratsamt Roda den Gemeindevorsteher Dämmrich auf, eine Pflichtfeuerwehr zu bilden. In der Sitzung vom 20.12.1898 beschloss der Gemeinderat die nötigen Maßnahmen und entwarf eine Satzung.
Der erste Hinweis auf eine FFW-Gründung findet sich im Beschluss vom 22.12.1898:
Am selben Tag meldete Dämmrich dem Landratsamt, die Pflichtfeuerwehr werde „gleich nach dem Neuen Jahr 1899" eingerichtet und eingeführt.
Am 11.01.1899 erwartete der Landrat binnen sechs Wochen Bericht. Erst am 13.05.1899 nahm Dämmrich Kontakt auf; am 19.05.1899 verständigte er sich im Landratsamt über Feuerlöschordnung und Statut. Am 25.05.1899 wurde beschlossen, dass der Gemeindevorsteher die Listen für die Pflichtfeuerwehr erstellt.
Am 15.04.1900 erinnerte das Landratsamt erneut an die Einrichtung einer freiwilligen oder wenigstens einer Pflichtfeuerwehr. Am 22.10.1900 beschloss der Gemeinderat, „zunächst die nötigen Vorarbeiten" vorzunehmen.
Am 11.01.1901 drängte das Landratsamt erneut und erwartete Bericht bis Ende März 1901. Zur Pflichtfeuerwehr wurde jeder männliche Einwohner zwischen 18 und 50 Jahren für 10 Jahre herangezogen; sie bestand aus Spritzen-, Absperr- und Wachmannschaft, war für die Wasserbeschaffung verantwortlich und unterstand dem Führer der Freiwilligen Feuerwehr.
An 65 Männer erging eine Einladung zur Freiwilligen Feuerwehr; am 23.01.1901 bekundeten 44 ihre Teilnahme an der Gründungsversammlung.
Der 25.01.1901 gilt als das offizielle Gründungsdatum der Klosterlausnitzer Freiwilligen Feuerwehr. Am 25.03.1901 wurde dem Landrat das Statut vorgelegt; die Wehr hatte bereits mit regelmäßigen Übungen begonnen. Zum Kommando gewählt wurden Hermann Willfert (Kommandant) und G. Jentzsch (Adjudant und Stellvertreter) – auf drei Jahre, bestätigt durch den Gemeinderat.
Nach mehrfachem Drängen wurde am 20.07.1901 die Bildung der Pflichtfeuerwehr bekanntgegeben; die erste Übung folgte am 27.07.1901 (an Wochenenden, in der Freizeit der Dienstpflichtigen). Am 06.08.1901 besiegelte ein Gemeinderatsbeschluss Bildung und Statut.
Am 19.01.1902 wurde im Saal des Friedrichshofes mit einem Ball das einjährige Bestehen der FFW begangen. Am 24.05.1902 teilte Gemeindevorsteher Vogel mit, dass die FFW für die Anschaffung von Uniformen eigene Mittel aufbringen wolle – über zinslose Anteilscheine zu 3 und 4 Mark, die je nach Kassenlage jährlich bis 20–30 Mark zurückgezahlt werden sollten. Damit war etwa die Hälfte der Kosten gedeckt.
Übungen fanden regelmäßig statt – mangels Übungsplatz auf der Landstraße. Am 18.07.1902 bewilligte das Landratsamt 230 Mark für die Pflichtfeuerwehr sowie 397 Mark Beihilfe für die FFW – unter der Bedingung, dass die Ausrüstung bei Auflösung an die Gemeinde übergehe. Diese Bedingung wurde am 23.07.1902 akzeptiert und schriftlich bestätigt.
Am 17.12.1903 erklärte Kommandant Willfert, seine Stellung niederzulegen und aus der FFW auszutreten.
In der Jahreshauptversammlung im Januar 1904 wurde Willfert – trotz seines Rücktritts – wiedergewählt. Stellvertreter Jentzsch erläuterte am 11.01.1904, dass eine außerordentliche Hauptversammlung am 20.12.1903 mehrheitlich beschlossen habe, Willfert „zurückzuholen"; dieser habe sein Amt am 24.12.1903 wieder angetreten.
Am 31.01.1904 beging die FFW im „Friedrichshof" das dreijährige Gründungsjubiläum. Am 02.03.1904 wurde der Porzellanmaler Patzschke zum Stellvertreter gewählt. Auf ein Gesuch Willferts hin beschloss der Gemeinderat am 12./13.04.1904 (mit 10 zu 1 Stimme) den Bau eines Steigerhauses (Kostenvoranschlag 383 Mark). Am 10.11.1904 wurde die Freiwillige Fabrikfeuerwehr der Porzellanfabrik Hermsdorf gegründet – ihr erster Kommandant war ebenfalls Hermann Willfert.
In der Hauptversammlung am 05.12.1906 fanden Neuwahlen für die Jahre 1907 bis 1909 statt:
- Kommandant: Hermann Willfert
- Stellvertreter: Hermann Patzschke
- Adjudant: Walter Machts
- Steigerführer: Otto Faulwetter
- 1. Rohrführer: Friedrich Plötner
- 2. Rohrführer: Hermann Kaiser
- Spritzenmeister: E. Pfaucht
- Hydrantenaufsicht: Albert Knopfe
Der Gemeinderat bestätigte die Wahl am 27.12.1906 und nahm zur Kenntnis, dass Kommandant Willfert ein Brandmeisterdolch gestiftet wurde.
Am 10.01.1907 fand im Hotel „Herzog Ernst" das 6. Stiftungsfest statt. Hermann Willfert, seit sieben Jahren Kommandant, legte endgültig sein Amt nieder und zog nach Leipzig. In seinem Brief vom 15.07.1907 dankte er für das entgegengebrachte Vertrauen und übergab die Leitung an Vize-Kommandant Patzschke. Hermann Patzschke blieb Kommandant vom 15.08.1907 bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914.
Am 15.03.1908 folgte das 7. Stiftungsfest im „Herzog Ernst". Am 12.07.1908 inspizierte der Landesausschuss Altenburger Feuerwehren die FFW auf dem Schulturnplatz, gefolgt von einem Sturmangriff auf ein fingiertes Brandobjekt. Am 31.01.1909 wurde das 8. Stiftungsfest gefeiert – der Gemeinderat war eingeladen.
In der Hauptversammlung am 05.01.1910 wurde Hermann Patzschke als Kommandant bestätigt, Stellvertreter blieb Walter Machts (Gemeinderat: 08.01.1910). Am 20.02.1910 folgte das 9. Stiftungsfest. Am 19.03.1911 wurde mit Nachmittagskonzert und Ball das 10-jährige Gründungsjubiläum gefeiert.
Am 05.07.1912 beschloss der Gemeinderat, alle in Klosterlausnitz wohnenden Eisenbahn-Bediensteten vom Dienst in der Pflichtfeuerwehr zu befreien. In der Hauptversammlung am 01.02.1914 wurden erneut Patzschke (Kommandant) und Machts (Stellvertreter) gewählt; die Bestätigung erfolgte am 04.02.1914 – kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Nach Kriegsausbruch forderte das Landratsamt am 18.06.1915 die Gemeinde auf, wegen der zahlreichen Einberufungen für genügend Löschmannschaften zu sorgen. Dabei sollten auch Personen unter 18 und über 60 Jahren herangezogen werden; Frauen könnten beim Bedienen der Spritzen helfen. Wer sich weigerte, musste mit strengen Strafen rechnen. Der Gemeinderat trat dazu am 29.06.1915 zusammen.
Kriegsbedingt wechselten die Kommandanten. Für 1917 ist belegt, dass der Schuhmachermeister Albert Knopfe als Feuerwehrkommandant fungierte – er leitete die Wehr von 1914 bis zum 11.01.1920.
Erst nach dem Krieg wurde am 23.03.1919 wieder zum 18. Stiftungsfest ins „Herzog Ernst" geladen. Die erste Inspektion der Prüfungskommission des Landesverbandes nach dem Krieg fand am 31.08.1919 statt. Die FFW sei mit 10 Mann zu schwach; empfohlen wurde, 20 Mann der Pflichtfeuerwehr hinzuzuziehen.
In der Generalversammlung vom 14.01.1920 wurde Karl Eilhauer zum Kommandanten gewählt (Wehrführer bis 10.01.1923), Stellvertreter wurde Albert Knopfe. Am 03. und 04.09.1921 fand der 33. Verbandstag der Sachsen-Altenburgischen Feuerwehren in Klosterlausnitz statt.
Am 10.01.1923 wurde Emil Peter zum Kommandanten gewählt, Stellvertreter Karl Serfling (Peter im Amt bis 07.07.1924). Am 20.01.1923 meldete Peter dem Gemeinderat, dass die Wehr wegen Mannschaftsmangels nicht mehr schlagfertig zu halten sei, und schlug – nach dem Vorbild Eisenbergs – ein Feuerwehrgesetz vor: Dienstalter 18 bis 32 Jahre, Dienstzeit 10 Jahre, danach keine Feuerschutzabgabe mehr.
Am 23.07.1924 legten Emil Peter und Karl Serfling ihre Ämter nieder. In der anschließenden Neuwahl wurden Alfred Kraft (Gartenstraße 9) zum Kommandanten und Albin Prüfer (Bahnhofstraße) zum Stellvertreter gewählt. Kraft wurde rückwirkend ab 07.07.1924 eingesetzt und blieb bis 1932; die Bestätigung erfolgte am 30.09.1924. Ein Aufruf zum Beitritt blieb erfolglos. Am 24.11.1924 zählte die FFW noch 31 Kameraden; die Hermsdorfer Werkfeuerwehr erklärte sich bereit, die Wehr bis zur Wiederherstellung ihrer Schlagfähigkeit zu unterstützen.
Am 21.01.1925 forderte der damalige Gemeindevorsteher und spätere Bürgermeister Ernst Horn eine Abschrift des Eisenberger Feuerwehrgesetzes an; ein solches sollte auch in Klosterlausnitz gelten – vorgesehen war eine Feuerwehrsteuer für alle, die sich nicht am Dienst beteiligten. Das Gründungsjubiläum wurde am 15.03.1925 begangen.
Am 01.07.1932 kam die Wehr zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammen – Anlass war der Tod des langjährigen Kommandanten Alfred Kraft. Neuer Ortsbrandmeister wurde Albin Prüfer, zum Stellvertreter wurde Otto Serfling gewählt.
Die Aktenlage ab 1933 bis in die Nachkriegsjahre um 1955 ist sehr lückenhaft. Auch vor Bad Klosterlausnitz machte die Gleichschaltung nicht halt: Kameraden mussten zur Wehrmacht, die Feuerwehren wurden zur Brandschutz-Polizei. Am 08. und 09.09.1934 fand der 46. Verbandstag der Feuerwehren in Klosterlausnitz statt – verbunden mit dem 33-jährigen Bestehen der hiesigen FFW.